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Boom der Privatschulen in Nordrhein-Westfalen
Der Frust über das öffentliche Bildungssystem ist groß

wdr.de Onlineartikel vom 10.10.2002
Boom der Privatschulen in Nordrhein-Westfalen

Pisa-Studie: Schlechte Noten für das deutsche Schulsystem

Pisa-Studie: Schlechte Noten für das deutsche Schulsystem
Heruntergekommene Klassenzimmer, viele Stundenausfälle, schlechte Leistungen - der Frust über das deutsche Schulsystem ist groß. Und spätestens die Pisa-Studie hat es belegt: Lernen wird in Deutschland klein geschrieben. Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder daher auf private Schulen. Einen "unglaublichen Boom", beobachtet Petra Witt, Vorsitzende des Landesverbandes NRW der Deutschen Privatschulen. In Nordrhein-Westfalen gibt es bereits mehr als 400 private Schulen. Und ihre Zahl steigt ständig. "Das Bedürfnis, Schulen zu gründen, ist enorm. Häufig sind es Elterninitiativen oder Lehrer, die hier aktiv werden", so Petra Witt gegenüber wdr.de.

Den Gründern das Leben schwer gemacht

Allein in Düsseldorf wollen künftig vier neue Privatgymnasien dem staatlichen Bildungssystem Paroli bieten. "Wir verstehen uns als eine Lernoase, in der Kinder und Jugendliche ihre Persönlichkeit und ihre Leistungsfähigkeit entfalten können", sagt Ulla Dörnemann von der Düsseldorfer Schulinitiative, die im Sommer 2004 an den Start gehen will. Doch leicht wird es den Schulgründern nicht gemacht. "Die Stadt lehnt uns ab, obwohl wir uns einbinden lassen wollen in ein Bildungskonzept", klagt die Lehrerin gegenüber wdr.de. "Seit einem halben Jahr laufe ich denen die Bude ein wegen eines Schulgebäudes. Aber wir bekommen einfach keine Räume von der Stadt. Da steht zum Beispiel eine ehemalige Grundschule fast leer, ein echtes Filetstück, das wurde nicht an uns, sondern an einen Turnverein vermietet." Das Gebäude sei viel zu klein für ein privates Gymnasium, sagt dagegen der Leiter der Schulverwaltung der Landeshauptstadt Düsseldorf, Wolfgang Gucht, und stellt klar: "Wir haben kein freies Gebäude, dass für eine solche Schule in Betracht kommt". Unterricht an einer Montessori-Schule

Unterricht an einer Montessori-Schule

Hürden mit Bedacht gewählt

Ähnliche Erfahrungen wie die Düsseldorfer Schulinitiative machen auch andere Neugründungen. "Privatschulen werden in Nordrhein-Westfalen bekämpft, wo es nur geht. Die Gründung ist irre schwer. Da gibt es eine wahre Verhinderungstaktik", bestätigt Petra Witt vom Privatschulverband. Das Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung in NRW hält dagegen: "Die Gründung einer Privatschule muss schwer sein, gerade im Interesse der Kinder. Die Hürden sind mit Bedacht gewählt", sagt Ministeriumssprecherin Christiane Vielhaber gegenüber wdr.de. "Denn wir müssen gewährleisten, dass die Schulen auf einem soliden Fundament stehen und die Lehrpläne eingehalten werden. Wir sehen die Privatschulen als Abrundung und Ergänzung des Angebotes".

Auch das Land profitiert von den privaten Bildungseinrichtungen. Die kümmern sich nämlich nicht nur um die Sprösslinge reicher Eltern. So sind zum Beispiel die Hälfte aller Sonderschulen Nordrhein-Westfalens in privater Hand. Vielen Kindern bleibt nur der Wechsel auf eine Privatschule, da in einer öffentlichen Lehranstalt zu wenig auf sie eingegangen wird. "Das staatliche Bildungssystem ist von den Lerntechniken her lediglich auf 30 Prozent der Schüler zugeschnitten", sagt Petra Witt.

"Stundenausfälle können wir uns nicht leisten"

Petra Witt vom Privatschulverband NRW

Petra Witt vom Privatschulverband NRW
In privaten Schulen versucht man deshalb, individueller auf die verschiedenen Lerntypen einzugehen. Das Angebot ist dabei sehr groß: Waldorf- und Montessori-Schulen, kirchliche Schulen und Freie Schulen arbeiten mit unterschiedlichen Konzepten. Alle jedoch haben eines gemeinsam: "Privatschulen sind Dienstleister, die können sich Stundenausfälle gar nicht leisten", sagt Petra Witt. Ihr Geld bekommen auch die meisten privaten Schulen zu über 90 Prozent vom Land Nordrhein-Westfalen. Der Rest wird über Spenden und Elternbeiträge aufgebracht.

Unterricht im Container

Bei der Freien Schule Düsseldorf werden bereits die ersten Aufnahmegespräche geführt, obwohl noch nicht einmal feststeht, wo die Schule ihren Sitz haben wird. "Das Interesse der Eltern ist riesengroß. Die sind sogar bereit umzuziehen, um in unserer Nähe zu sein", sagt Ulla Dörnemann von der Schulinitiative. Aufgeben will man die Pläne der Schulgründung auf keinen Fall mehr. "Wenn die Stadt uns keine Räume gibt, fangen wir einfach in Containern an. Nach zwei Jahren sind wir so etabliert, da kommen die an uns gar nicht mehr vorbei".

Artikel online bei wrd.de

 

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