Kerpen-Horrem - Schon lange werden am Präha Bildungszentrum Horrem Physiotherapeuten, Gymnastiklehrer, medizinische Bademeister oder Masseure ausgebildet. Doch stets versucht die Schule, ihr Angebot zu erweitern. Mit Beginn des nächsten Schuljahres können angehende Gymnastiklehrer erstmals eine zusätzliche Qualifikation erreichen. "Sie können die drei Jahre mit dem Berufsabschluss und dem Fachabitur beenden", erklärte Präha-Geschäftsführerin Petra Witt am Tag der offenen Tür.
Vor den Preis haben die Götter allerdings den Fleiß gesetzt. Drei weitere Wochenstunden - 36 statt bisher 33 - müssen die Schüler schon hinnehmen. Zusätzlich stehen Religion und Ethik, fachspezifisches Englisch und Mathematik auf dem Stundenplan. Der Vorteil: Die Schüler, die in einem Teil - beispielsweise der Fachhochschulreife - patzen, den zweiten aber schaffen, erlangen dennoch ihren Berufsabschluss. Und umgekehrt: Wer den Berufsabschluss nicht schafft, hat dennoch das Fachabitur in der Tasche.
Sinn und Zweck des neuen Angebotes sind für Wirt klar: "Ohne gute Englischkenntnisse bekommt in der Medizin oder im Tourismus niemand einen Job." In diesen Branchen, aber auch in Krankenhäusern, Reha-Zentren oder Kurorten würden Absolventen der Horremer Schule problemlos vermittelt. |
Witt: "Die Nachfrage ist größer als unser Angebot."
Durch die Zusammenarbeit mit der niederländischen Fachhochschule Heerlen hat das Projekt "Ganzheitlicher Unterricht durch Problemgelenktes Lernen" Einzug gehalten. Durch diese Kooperation sollen die Schüler "vom Schubladen-Denken" wegkommen und Dinge "mehr ganzheitlich" angehen. Ein Beispiel: Wurde etwa ein Bandscheibevorfall bisher nur unter anatomischen Gesichtspunkten betrachtet, solle diese Sicht der Dinge erweitert werden. "In Zukunft wollen wir auch fragen, welche genetischen oder auch ernährungsphysiologischen Ursachen hinter dem Vorfall stecken könnten", betonte Witt.
Die Ausbildung der Masseure, Kosmetiker und Physiotherapeuten solle qualitativ verbessert werden. Keine Illusionen machen die Horremer sich darüber, dass sie da einiges von Heerlen lernen können. "Das, was wir in Deutschland in einer dreijährigen Lehre absolvieren, ist in Holland ein vierjähriges Fachhochschulstudium."
Ob und wann auch in Deutschland aus diesen medizinischen Lehrberufen Studiengänge werden, vermochte Wirt nicht exakt zu beantworten. "In zehn Jahren könnte ich mir das vorstellen." Die Schule in Horrem zumindest will diese Entwicklung; nicht verschlafen. Witt: "Wir sind auf dem Weg in Richtung einer Fachhochschule." |