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Veröffentlichungen

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Berufsbild und Perspektive der Gymnastiklehrerin
im Sport und Gesundheitswesen
der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union

Dr. med. Peter Stehle,
Arzt und Diplomsportlehrer
Leiter Fachbereich Medizin
Bundesinstitut für Sportwissenschaften, Köln

Aus der Festschrift zum Treffen der Ehemaligen an der Anna Herrmann Schule am 24. April 2004
Examen vor 55 Jahren - 1949

Die Entwicklung unserer modernen Gesellschaft ist unter anderem wesentlich geprägt durch

  • gravierende Veränderungen der demographischen Struktur und
  • einem weiter zunehmenden Bewegungsmangel großer Bevölkerungsgruppen.

Berufsbild und Perspektive der Gymnastiklehrerin Als Konsequenz lässt sich nach wie vor eine Zunahme von durch Bewegungsmangel be ding ten chronischen Erkrankungen innerer Organe wie auch des aktiven und passiven Bewegungsapparates beobachten.

So war z. B. jedes Pflichtmitglied der Betriebskrankenkassen in den westlichen Bundesländern im Jahr 1994 durchschnittlich 21 Tage krank. 77 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage im Jahr 1994 können auf nur fünf Krankheitsgruppen zurückgeführt werden. Muskel- und Skeletterkrankungen traten am häufigsten auf (31 Prozent). Bewegungsmangel und einseitige Körperhaltung am Arbeitsplatz und in der Freizeit sind nach Ansicht des Bundesverbandes mitverantwortlich für die Zunahme der Muskel- und Skeletterkrankungen (Deutsches Ärzteblatt H26, J. 93, S C-1228, 1996) mit steigender Tendenz.

Als Ursachen für Rückenbeschwerden werden u. a. funktionelle Fehlbeanspruchung der Muskulatur, Bewegungsmangel sowie schwache Rumpfmuskeln angeführt.

Berufsbild und Perspektive der Gymnastiklehrerin In der Allgemeinpraxis stellen Patienten mit psychosomatisch bedingten Befindlichkeitsstörungen einen hohen Anteil dar. Ursächlich können fehlende körperliche Bewegung, einseitige Ernährung und Übergewicht mit aufgeführt werden.

Neben Nikotin- und Alkoholgenuss und Fehlernährung gilt Bewegungsmangel als ein Risikofaktor im Bereich der Herz-Kreislauferkrankungen.

Nicht zuletzt daraus leitet Prof. Dr. med. Dr. h. c. Wildor Hollmann (Ehrenpräsident des Deutschen Sportärztebundes) seine These ab:

"Es gibt kein Medikament und keine Maßnahme, die einen vergleichbaren Effekt hat, wie das körperliche Training. Gäbe es ein solches Medikament mit solch hervorragen den Wirkungen und quasi ohne Nebenwirkungen, wäre jeder Arzt gehalten, es zu verschreiben."

Die WIAD-Studie (Wissenschaftliches Institut der Ärzte Deutschland e. V.) auf der Basis von 44.000 Versuchspersonen im Rahmen der Deutschen Herz-Kreislauf-Präventionsstudie erbrachte folgende Ergebnisse:

Laufgemeinschaft - Sporthalle Horrem-Sindorf Spielfest in den Außenanlagen
  • Der Gesundheitsstatus sportlich Aktiver ist durchgängig günstiger als bei der übrigen Bevölkerung.
  • Sporttreibende weisen eine höhere Zufriedenheit auf als Inaktive.
  • Bei Sporttreibenden findet sich ein geringeres Maß an Beschwerdehäufigkeit, sie berichten über eine geringere Anzahl an gesundheitlichen Beschwerden.
  • Sporttreibende erreichen in den jeweiligen Altersgruppen tendenziell geringere Risikowerte.
  • Der günstigere Gesundheitsstatus Sportaktiver schlägt sich auch in weniger Krankheitstagen oder Tagen gesundheitlicher Beeinträchtigung nieder.
  • Das Sterblichkeitsrisiko ist bei Sporttreibenden geringer als bei Inaktiven.

Die Studie bestätigt damit im Wesentlichen die Untersuchungen von Morris et.al (1980) sowie die Framingham-Studio (Kannel et.al., 1986).

Berufsbild und Perspektive der Gymnastiklehrerin Körperliche Aktivität auf der einen Seite und Regeneration auf der anderen Seite stellen elementare Säulen einer gesundheitsorientierten Lebensweise dar. Dabei geht der Trend eindeutig weg vom höchstleistungsorientierten und oftmals stressbeladenen Bewegungsprogramm hin zu

  • moderaten Bewegungsprogrammen und
  • moderaten Regenerationsmaßnahmen.

Körperliche Aktivität bzw. Bewegungsprogramme dienen der Schulung konditioneller und koordinativer Fähigkeiten.

Konditionelle Fähigkeiten sind:

  • Kraft,
  • Schnelligkeit,
  • Ausdauer,
  • Beweglichkeit

Koordinative Fähigkeiten sind:

  • Kinästhetische Differenzierungsfähigkeit,
  • räumliche Orientierungsfähigkeit,
  • Gleichgewichtsfähigkeit,
  • Komplexe Reaktionsfähigkeit,
  • Rhythmusfähigkeit,
  • Anpassungsfähigkeit

Berufsbild und Perspektive der Gymnastiklehrerin Neben Kenntnissen der Anatomie und Physiologie setzen Kenntnisse über die Schulung konditioneller und koordinativer Fähigkeiten, gepaart mit Wissen über Wirkungen regenerativer Maßnahmen (z. B. physikalische Anwendungen) die "Gymnastiklehrerin" unter Anwendung pädagogisch/psychologischer und didaktisch/methodischer Grundprinzipien in die Lage, den Menschen gezielt an körperliche Aktivität und Regeneration heranzuführen.

Die an der Ganzheitlichkeit ausgerichtete Ausbildung der Gymnastiklehrerin, welche der natürlichen Bewegung und Körperhaltung eine herausragende Rolle zuschreibt, stellt eine zukunftsorientierte Berufsausbildung im Wachstumsmarkt "Gesundheitsorientierte, körperliche Aktivität und aktive Freizeitgestaltung" dar. Ein Selektionsmerkmal für "Bewegungszentren" wird neben wachsenden architektonischen und technischen Qualitätsmerkmalen die Nachfrage nach hoch qualifiziertem Fachpersonal mit einem breiten Ausbildungsspektrum darstellen.

Dr. med. Peter Stehle

 

 

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